… und aus bist du


Bild

Ein Mensch, bei dem nie ganz klar war, wie lange er es auf dieser Welt aushält – eine Charakterisierung, die durchaus auf mich zutrifft. Aus einer solchen Perspektive braucht man schon Gründe für das Weitermachen, Gründe, die ich glücklicherweise habe. Dennoch spüre ich das Leben selbst auf meinen Schultern lasten, es drückt und zwingt mich zum Kampf gegen das Aufgeben.

Umso betroffener lassen mich die Berichte anderer Menschen werden. Sehr bestürzt erfuhr ich von dem Schicksal einer meiner Bekannten. Burnout, kurz gesagt, so lautet die Diagnose. Was sich dahinter verbirgt, erahnen nur solche, die etwas Ähnliches schon erlebten. Angstzustände, die Unfähigkeit vor die Tür zu gehen, nichts mehr unternehmen zu können, all das schwer vorstellbar für einen aktiven Menschen. Als solchen Menschen betrachtete ich sie immer. Ich bewunderte ihre Energie, ihre Lebendigkeit, ihre sprühende Lebensfreude. Das Bild von eines fast grenzenlos belastbaren Menschen, einer starken Persönlichkeit, das vermittelte sie erfolgreich ihrer Außenwelt. Der feste Glaube an die eigene Stärke lässt keinen Gedanken daran verschwenden, um Hilfe zu bitten. Eine erfolgreiche „Macherin“ muss sich nun an den Gedanken gewöhnen, das sie nicht unverletzlich ist. Ein schwerer Weg. Immer mehr kristallisiert sich für sie heraus, dass sie jahrelang über ihre eigene Kraft hinaus gelebt hat. Jahrelang lebt sie in dem Glauben, dass ihre Schwächen, ihre Verletzlichkeiten, ihre Sorgen einfach nur zur Seite schieben muss. Natürlich funktionierte dies auch, bis plötzlich der Körper streikt, bis alles herausbricht.

Niemals hätte ich gewettet, dass es ausgerechnet sie trifft, das hätte sie selbst auch nie vermutet.

Niemand kann wissen, wen es als nächstes trifft. Es scheint kein Lebenskonzept zu existieren, das wirklich schützt. Meine Wünsche gehen dahin, dass wir in unserer Gesellschaft offener über Verletzlichkeiten reden dürfen, ohne gleich als empfindlich oder Jammerlappen hingestellt zu werden. Dies würde vielleicht einige Menschen davor bewahren, sich jahrelang selbst etwas vorzuspielen, bis zum körperlichen und psychischen Zusammenbruch.

… und liebe S., falls du dies liest, denk daran:

Aus bist du noch lange nicht!

Du wirst es schaffen!

Dieser Beitrag wurde unter Leben abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu … und aus bist du

  1. markohhh schreibt:

    Das „schöne“ ist … Selbst der/die Betroffene gehört zu den letzten Menschen, der begreift, was da gerade mit einem geschieht. Aber deine Freundin kann sich glücklich schätzen, jemanden wie dich zu haben. Vielleicht wird sie es dir nicht danken – zumindest nicht so, das du es merken wirst. Aber sie wird dir trotzdem dankbar sein.

  2. tompressure schreibt:

    Hat dies auf Depression – was nun? rebloggt und kommentierte:
    Es gibt sie – Wege aus Depression, Burnout und Angststörung. Aber man muss sie aktiv suchen und ausprobieren. Verdammt schwer.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s