Stillstand

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Es ist ruhig, zu ruhig.

Die Zeit ist im Fluss, dennoch bekomme ich nichts davon mit, in meiner Glasglocke.

Es wird Zeit, dass nächste Woche wieder das richtige Leben beginnt.

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Zurückbleiben

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Ich sitze auf dem Bahnsteig, schaue vor mich hin. Wie oft bin ich geblieben, wie oft konnte ich den Menschen nur nachsehen, wie sie wieder verschwinden, aus meinem Leben.

Ein natürlicher Prozess, dieses Kommen und Gehen. Doch mit der Zeit gehen mehr, als dass sie kommen, und immer wieder geht ein Stück Gefühl mit. Langsam und unmerklich verändert die Zeit das Leben, bis der Schmerz sich meldet.

Die Gesichter um mich herum werden immer fremder.

 

 

 

 

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Flüchtige Momente

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Momente,

erkämpft,

erkauft,

Freiheit die aufatmen lässt

und doch so flüchtig.

Man möchte die Zeit anhalten,

im Moment aufgehen,

doch das Herz bleibt unruhig.

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Sich selbst genügen – oder?

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Ich hänge in den Seilen. Ich habe nichts vor und will auch nichts vorhaben. Mein Kopf will beschäftigt werden, seiner Bitte wird entsprochen. Mein Körper hält gar nichts davon jetzt noch das Haus zu verlassen. Also lassen wir den Körper wo er ist, der Kopf übernimmt die Regie. Der Körper genügt sich selbst in seiner räumlichen Isolation, der Kopf bricht in die weite Welt hinaus. Der Kopf ist heute in Hochstimmung, der Körper dümpelt nebendran so vor sich hin.

An einem beliebigen Freitag Abend vor, sagen wir mal etwa 25 Jahren herrschten hier andere Zustände. Da machten sich Kopf und Körper für einen abendlichen Umgebungswechsel bereit. Mit Freuden sogar, wie ich an dieser Stelle bemerken möchte. Unvorstellbar damals, die Zeit, in der alle Menschen zusammentreffen allein in der Hütte zu verbringen. Die Bedrohung der Isolation, die schon immer wie ein Damoklesschwert über mir schwebte, sie trieb nach draußen. Dummerweise stellte sich die Isolation immer als sehr hartnäckiges Element heraus. Irgendwann, müde des ständigen Wettkampfes gegen sie, lernten Kopf und Körper dann doch sich mit ihr zu arrangieren. Isolation macht träge.

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Rücksichtnahme, Lügen und andere Kleinigkeiten

Ja, die Wahrheit, sie schafft es immer wieder sich im letzten Moment zu verstecken.

Ein Leben in vollkommener Wahrheit würde niemand aushalten und in Mord und Totschlag enden.

Das Gebot „Du sollst nicht lügen“ lautet eigentlich „Du sollst kein falsches Zeugnis von dir geben wider deinen Nächsten.“ Gemeint damit war, dass niemand vor Gericht lügen soll. Im erweiterten Sinn kann man wohl davon sprechen, niemanden mit einer Lüge zu schaden.

Daneben gibt es viele kleine Lügen, die einen Sinn ergeben, kleine Notlügen, die verhindern, dass andere Menschen verletzt werden.

Aber wo ist da eine Grenzziehung? Wann sind Menschen höflich und wann sind sie einfach nur falsch?

Ständig müssen wir aufpassen, wem wir was gegenüber sagen. Wir alle lavieren durch ein Minenfeld, wenn es um menschliche Kommunikation geht. Wir hören unterschiedliche Geschichten zum gleichen Vorfall. Wer lügt, wer sagt die Wahrheit, wer irrt sich einfach nur?

Ich muss mich zur Zeit fragen, ob nicht eine bestimmte Person aus meinem Umfeld sich in eine falsche Schlange verwandelt hat. Da werden Aussagen weitergegeben, die so nicht gemacht wurden. Sie gibt ein falsches ab, Zeugnis wider ihren Nächsten. Sie glaubt, so besser den Leuten zu erzählen, was sie hören wollen. Ein Verhalten, das ich in den Jahrzehnten, die ich sie kenne so noch nicht aufgetaucht ist. Woher diese Wandlung? Sie versucht Minenfelder für sich zu vermeiden und schafft dafür aber neue für ihre Mitmenschen. Sie möchte niemanden auf den Schlips treten, aber sich selbst aus jeglicher Verantwortung heraushalten. Wie lange mag dies noch gut gehen? Ich unterstelle ihr nicht, dass sie jemanden schaden will. Sie will einfach nur ihre Ruhe. Allerdings sind einige Leute der Gerüchte wegen schon sauer, nicht auf sie, sondern untereinander. Wenn es um praktische Probleme geht, die gelöst werden müssen, kann man dies auch nicht einfach ausblenden, ein Heraushalten aus dem Geschwätz wird unmöglich.

Irgendwann, fürchte ich, fällt es unweigerlich auf sie selbst zurück.

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Türen

IMG_1187TürskTüren sind mehr als ein bloßer Eingang, Türen haben eine Schutzfunktion, Schutz vor Kälte, vor Einbrechern, vor der Außenwelt, aber leider nicht immer vor der unliebsamen Verwandtschaft, denn diesen muss man öffnen, den Konventionen gemäß. Man stelle sich vor, Tante Frida vor dem Hauseingang, ihren Hals Richtung Fenster reckend, sich fragend, dass da doch einer da sein müsste, denn das Auto stehe vor der Tür. Nein, dies wäre doch ein Fettnäpfchen!

Eine alte Tür in einem Gemäuer bezeichnen wir als Pforte, Einlass wird nur demjenigen gewährt, der auch eine Berechtigung hat. Vielleicht aus diesem Grunde haben Pforten noch mal mehr etwas Geheimnisvolleres und beflügeln die Fantasie eines jeden, der sich gerne mal in eine andere Dimension begeben möchte.

Gerade in Alltäglichen Dingen, die wir jeden Tag gedankenlos benutzen, entdecken wir von Zeit zu Zeit ihre Symbolkraft wieder, ein Beispiel dafür ist die Tür. Geschlossene Türen assoziieren wir mit Abweisung, offene Türen mit einem offenen Herz, wobei das Herz selbst schon als das Symbol schlechthin dient. Ich möchte nicht wissen, wie viele Lieder und Gedichte es für die Adventszeit gibt, in denen wir aufgefordert werden unsere Türen zu öffnen.

Das Bild einer geschlossenen Tür, die bald geöffnet wird, erwärmt unser Herz, erweckt Vorfreude. Manche Türen erwecken unsere Neugier, wir fragen uns, wer oder was dahinter verborgen liegt. Die alte Tür in der hintersten Ecke des Schlosskellers verheißt einen wertvollen Schatz, erst durch das Öffnen verliert sie ihre Mystik.

Türen und ihr Geheimnis dahinter erwecken Sehnsüchte.

Heute schon ein Türchen geöffnet?

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Verlorene Stunden

DSC00188EisskDie Wohnungstür verwandelt sich an manchen Tagen zum Tor in eine andere Welt. Die Betriebsamkeit des Alltags draußen verschwindet und die Anspannung, die wach hält, fällt ab. Von einer Sekunde zur anderen verändert sich mein Innerstes und meine eben noch gefühlte Lebensenergie bleibt draußen. Meine Jacke segelt im Weitwurf auf den Stuhl statt an den Kleiderhaken. Kurze Zeit später finde ich mich auf dem Sofa wieder, sitzend, die Hände in der Schoß legend. Meine Haltung könnte man als halbwegs aufrecht bezeichnen, die Füße und Beine liegen parallel zueinander. Der Blick geht geradeaus, unbeweglich. Regungslos verharrend denke ich daran aufzustehen, sofort aufzustehen. Aufstehen, ganz einfach, das Fenster öffnen, sofort in die Küche gehen, einen Kaffee kochen, die Musik anstellen, alles dies sind leicht umsetzbare Kleinigkeiten, nichts könnte einfacher sein. Müdigkeit überfällt mich, Erschöpfung, die ich nicht wahrhaben möchte. Nur ein kleiner Schritt, ein winzig kleiner fehlt, um diese starre Haltung aufzugeben. „Einfach aufstehen“, schießt es durch meinen Kopf.

Ich stehe nicht auf, ich bleibe einfach sitzen und die Gedanken driften ab, irgendwohin.

Die Sinnlosigkeit dieses Nicht-Handelns offenbart sich. Vernünftig wäre es, etwas zu tun oder sich wenigstes richtig auszuruhen oder zu entspannen, aber keines von beiden passiert, nein, nichts passiert. Auf dem Sofa sitzt ein Individuum, in ein Vakuum gefallen, reglos, wie eine Eidechse in der Kältestarre. Die Zeit scheint es noch nicht einmal nötig zu haben, an mir vorbeizuziehen. Selbst die Zeit ist abwesend.

„Aufstehen“, flüstert die innere Stimme ins Ohr. Die Hände liegen sinnlos im Schoß, die Ohren nehmen kein Geräusch wahr. Noch nicht einmal die einzige Person im Raum ist anwesend.

Etwa zwei Stunden später stehe ich auf, öffne das Fenster, koche Kaffee und lebe mein Leben weiter, als wäre nichts gewesen.

Genaugenommen war da auch nichts, buchstäblich nichts.

– Nichts –

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